Ich bin Pirat – wie alles begann

Zugegeben ich habe auch Fehler gemacht, heute weiss ich das. Früher – nein, da war man sich sicher dass man als Unternehmer bei der CDU/CSU gut aufgehoben ist. Nachdem dann Merkel an der Macht war und man so die ersten “Aktionen” mitbekam, was “die da oben” so verzapfen, fühlte ich mich nicht mehr gut bei der CDU/CSU aufgehoben, vor allem aber weil diese Partei rigoros gegen die Gleichberechtigung von gleichgeschlechtlichen Paaren ist. Also abgewandert zur SPD und gehofft dass es dort besser ist. Zumindest setzen sich diese mehr für Gleichberechtigung ein, Bürgerrechte ? Weit gefehlt.

Die Erleuchtung sollte ich auf der Chaos Computer Club Debate Mailingliste erfahren. Dort geisterte eine Twister herum. Und die schrieb eines Tages, dass Sie zur Piratenpartei gehe und dort nun Mitglied ist. Piratenpartei… ja klar – wohl den letzten Karneval noch nicht vergessen und jetzt veräppeln wir die Leser der CCC Mailingliste. Aber irgendwie lies mich der Name nicht mehr los. Gibt’s die wirklich ? Google angeworfen und Piratenpartei eingegeben. Tatsache, die gibt’s ja doch. Dort steht etwas von “Bürgerrechtlern im digitalen Zeitalter” – “Stoppt Zensur” und so einiges mehr. Also eigentlich eine IT’ler Partei in der sich endlich jemand dem Internet annimmt und es verteidigen will. Nicht wie die anderen Parteien, die es am liebsten abschaffen würden, wieder Pferdeboten einführen und nur noch per Brief kommunizieren wollen.

Da ich ja noch bei der SPD Mitglied war, habe ich mich erst einmal weiter über die Partei informiert. Wow, eine Partei die Mailinglisten und ein Forum hat. Bei der SPD habe ich sowas nicht gefunden. Also direkt angemeldet, Aktiven und Neu Mailingliste. Viele kontroverse Themen wurden dort diskutiert. Erst habe ich diese nur überflogen, dann etwas genauer gelesen. Seltsame Leute die hier rumschwirren dachte ich mir und bin als nächstes auf das Wiki gestoßen. Dort wurde etwas von “Stammtischen” geschrieben. Vielleicht gibt es ja einen in Nürnberg ? Man könnte sich ja die “Piraten” mal ansehen, was die so treiben. Tatsächlich gab es mal einen Stammtisch in Mittelfranken, allerdings scheint der eingestaubt zu sein, genau wie die Mailingliste :(

Schade eigentlich… Ich habe also am 28.Februar 2009 um 20:41 eine Mail auf die Mittelfranken Mailingliste geschrieben (Archiv) das ja Staub auf der Liste wäre und ob überhaupt noch was los ist. Als Antwort bekam ich von einem delphiN dass hier nichts mehr los wäre, er schon einmal einen Stammtisch gemacht habe, allerdings am Schluss niemand mehr vorbeigeschaut hat. Dass delphiN mal Vorstandsvorsitzender vom BzV Mittelfranken und damit mein “Chef” wird hat weder er noch ich sich träumen lassen :)

Ich habe dann mit einem Andi Popp noch Kontakt gehabt, der mir per E-Mail schrieb, dass ich einfach mal das Wiki “entern” solle und dort die Seite komplett entrümpel. Dann einfach die Werbetrommel rühren, dass in Mittelfranken wieder ein Pirat ist für gelegentliche Treffs. Im kompletten März war ich dann mit dem Wiki, der Aktiven Mailingliste und auch dem Forum beschäftigt. Boar, die Partei hat sehr viele Kommunikationskanäle, wie soll man da durchblicken. Am 03.03.2009 war es dann soweit, ich bin Mitglied geworden. Seitdem war ich Pirat. So piratig habe ich mich am Anfang gar nicht gefühlt, wobei… es war irgendwo ein geiles Gefühl direkt an der Politik mit zu arbeiten. Allein einen Stammtisch wieder beleben ist schon mal ein erster Schritt. Bei der SPD muss man sowas nicht machen, da wird man nur zu irgendwelchen Diskussionen eingeladen und hat als Parteibuchträger freies Buffet (bei den Piraten gibt’s entweder Brezeln oder Gebäck in kleinen Mengen vom Bäcker oder man muss sich selbst versorgen :D)

Im Mai kam schon langsam Fahrt in das Ganze, einige mehr waren auf der Mittelfranken Mailingliste und es wurden erste Abstimmungen über Doodle für einen gemeinsamen Stammtischtermin gefasst. Zu diesem Zeitpunkt lernte ich auch erst einmal wie man mit Twitter umgeht, denn die Piraten nutzen alle Twitter und informieren sich darüber, was auch neu für mich war, denn ich kannte Twitter zwar, nutzte es auch, allerdings Informationen drüber empfing ich noch nicht so, wem sollte man schon followern ;)

Juni 09 war dann die heiße Phase, während der erste Termin zum 17 Juni sein sollte, der irgendwie nicht wirklich zu Stande kam, habe ich mich entschlossen einfach den 28. Juni zu nehmen und diesen auch ordentlich zu bewerben. Andi hatte den Termin noch über den Twitter rausgeschickt, ein Mittelfranken Logo war entstanden und das Wiki aufgeräumt.

Am 28. Juni waren erstaunlich viele Leute da. Ich hatte eher mit einem kleinen Grüppchen gerechnet, allerdings war der Kulturgarten im K4 (hatte Nico von der K4CG besorgt) rappel voll. Insgesamt rnd 60 Teilnehmer, davon alleine 30 Piraten aus Nürnberg. Weitere aus Erlangen, Fürth, Nürnberg Land und Ansbach.

Man lernte die ersten Piraten kennen, die man sonst nur unter Nicknames kannte und saß gemütlich beinander. Mein Ziel war es bereits damals einen eigenen Bezirksverband zu gründen was ich auch in einer kurzen Stegreifrede (ich wurde einfach von delphiN auf die Bühne geschoben) erklärt habe. Dass bereits unter der Menge die meinen Ausführungen zugehört hat, ein Schatzmeister und 2 Beisitzer saßen, daran hat damals niemand geglaubt. (Programm des Stammtisches)

Bezirksverband – ja den sollten wir gründen, aber mit Bedacht und nichts überstürzen. Von wegen, es wurde 2 Wochen lang geackert was das Zeug hielt, plötzlich war ich Mitglied in der AG Organisation die sich mit der Planung des BzV beschäftigte, eine AG Öffentlichkeitsarbeit war entstanden, die sich wie die AG Orga regelmäßig zu Treffen verabredete.

Bereits am 12. Juli war es soweit: Die Gründungsversammlung des BzV Mittelfranken. Die letzten 2 Wochen waren echt Stress. Ich habe mich zum Stellvertretenden und Generalsekretär aufstellen lassen, obwohl delphiN immer der Meinung war, ich sollte doch Schatzmeister werden, Vig der auch heute Schatzmeister ist, hatte aber als Controller bessere Karten und ich konnte mich ganz auf den Generalsekretär stürzen. Das Amt ist einfach wie zugeschnitten für mich, als alter Aktenwurm und ich hatte ja schon eine Arbeitsprobe vorgelegt, die Wiederbelebung des Stammtisches war ein voller Erfolg, sonst stünden wir nicht hier.

Ganz neu für mich: Reden halten, sich mal schnell vor eine Menschenmenge stellen und dort vortragen warum man denn für das Amt überhaupt geeignet ist. Gut, so schwer wars nicht, ich hatte ja schon eine Kandidaturseite auf der ich ein wenig Wahlkampf für mich betrieb, aber vor einer Menge Piraten (rnd 70 Stück) sprechen ist halt doch was anderes.

Mit 47 Stimmen wurde ich schließlich dann zum Generalsekretär gewählt und hatte die große Mehrheit meinem Kontrahenten TrotziK (der nur 10 Stimmen hatte) inne.

Realisiert habe ich eigentlich erst einen Tag danach dass ich nun ein Amt besetze und im Vorstand bin. Knapp 5 Monate und schon mittendrin. Das es Arbeit wird war mir von Anfang an klar, dass es viel wird, daran habe ich auch mal gedacht, allerdings dass es sooo viel wird :D nein das war mir damals noch nicht klar.

Eins ist aber unverändert geblieben: Ich bin Pirat !

Wenn ich jetzt zurückblicke was wir alles geschafft haben, dann fehlen mir dazu die Worte das auszudrücken. Selbst die Zahlen scheinen unglaublich: 600 Plakatständer, 700 Hartfaserplatten, 3000 Plakate die auf die Strasse und in andere Verbände gebracht wurden. Wenn jemand behauptet wir hätten keinen Wahlkampf gemacht, den schicke ich persönlich gefesselt über die Planken und werfe diesen den Haien zum Fraß vor, denn es war verdammt viel Arbeit. Aber: Wir können stolz sein auf das was wir hier geschafft und geleistet haben. Das ist Politik zum Anfassen und Mitmachen – und ich bin auf jeden Fall weiter dabei denn:

Ich bin Pirat !

Berlin (ddp). Die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast wirft der Union beim Thema Umweltschutz Etikettenschwindel vor. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gebe sich zwar den Anschein grüner Politik, betreibe aber keine wirkliche Klimapolitik, sagte Künast am Mittwoch im ZDF-«Morgenmagazin». Merkel könne sich gerne vor einem Gletscher fotografieren lassen. «Deshalb ist noch lange nicht Grün drin», sagte Künast. Die Abwrackprämie kritisierte sie als «Lachnummer des Jahres», die lediglich den Automobilkonzernen zugutegekommen sei. Zu Umweltpolitik gehöre der Mut, alte Wege zu verlassen.

Die Grünen sehen in der neu entstandenen Piratenpartei keine Konkurrenz. Dennoch müsse man die Partei und ihr Anliegen ernst nehmen, sagte Künast der «Berliner Zeitung» (Mittwochausgabe). Die Piraten treten vor allem für freien Zugang zu allen Internet-Angeboten ein und warnen vor Zensur.

Für die Grünen gelte auch im Internet: «Wir wollen Freiheit, aber keinen rechtsfreien Raum», sagte Künast. Sie verwies darauf, dass der einzige Piraten-Abgeordnete im Europaparlament aus Schweden sich der Fraktion der Grünen angeschlossen habe.

Künast forderte eine Kultur-Flatrate für im Internet verbreitete Inhalte, die organisiert werden soll wie die GEMA-Gebühr für Musiktitel. Die Erlöse müssten den Autoren zufließen, deren Arbeit so auch bei kostenlosem Angebot finanziert werden könnte.

Zensursula für Rocker ;-)

Trotz Zensur schärfere Strafen ?

Welches Vertrauen hat die Leyen-Regierung in Ihre Wegschaupolitik, wenn nun zusätzlich zum Zugangserschwerungsgesetz nun auch noch der Druck auf die Justizminister stetig ansteigt und das Thermometer fast zum platzen bringt. Durch die hitzige Debatte angeschürt fordert nun die Deutsche Kinderhilfe schärfere Strafen sowie auch die internationale Ächtung von Staaten, die Kinderpornographie dulden.

Auf der Frühjahreskonferenz in Dresden haben sich die Justizminister der Länder für eine strengere Strafverfolgung von Kinderpornographie im Internet ausgesprochen. Allerdings gestalte sich die Strafverfolgung allein bei den im Internet ausgetauschten Medien schwierig, da der aktive Bezug, also das Herunterladen nachgewiesen werden müsse.

Der Deutschen Kindeshilfe geht es dabei allerdings nur darum, dass Konsumenten dieser abstoßenden Ware möglichst lange hinter Gittern schmoren. Die Argumente hierbei sind einfach: Das Herunterladen von kommerziellen Filmen oder illegaler Software wird mit bis zu 3 Jahren Haft bestraft, Kinderpornographie nur mit 2. Letzteres ist aber weitaus schwerwiegender. Nach der aktuellen Rechtsprechung ist der sexuelle Missbrauch von Kindern ein Vergehen, also eine minderschwere Straftat, während Drogenhandel oder Raub als ein Verbrechen geahndet wird. Dieser Unterschied müsse dringend beseitigt werden.

Darüber hinaus sollen international nun Listen geschaffen werden, um dort Staaten die beim Kampf gegen die Schmuddelfilme  nicht kooperieren, einzutragen und darüber den Pecheimer der Ächtung auszukippen. Ob ein solch öffentliches und internationales Gruppenächten etwas bewegen wird, bzw. wie sich dadurch die aussenpolitischen Verhältnisse zwischen den einzelnen Staaten verändern, mag dahingestellt sein.

Zum Nachdenken

Erst wenn man den Text 2 x gelesen hat wird man ihn verstehen können

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