PLESK Postfix, Amavis und Clamav

Bekanntermaßen reicht der Softwarehersteller Parallels für die Linux Variante von PLESK ausschließlich den tollen Dr. Web oder Kaspersky als Anti-Virenmodul. Beide sind kostenpflichtig und nehmen nicht wenig an Gebühren. Bei Dr. Web sind es schon mal 300€, Kaspersky rechnet pro Postfach.

Aber: Es gibt Abhilfe. Dank Amavis, Postfix und Clamav kann man sich so ganz einfach einen kostenfreien Anti-Virenscanner schaffen.

Wie immer vorne weg: Wer keine Ahnung von Linux hat, nicht weiss was eine Shell ist und bei der Frage nach dem Texteditor unter Linux Notepad empfiehlt, sollte sich gleich von jemanden der sich mit dem Ganzen auskennt helfen lassen. Hier gibt es dazu Hilfe.

Voraussetzungen:
PLESK unter Linux, Clamav Daemon und Freshclam, Amavis installiert.

 

1) Konfiguration Amavis

Die Grundkonfiguration von Amavis sollte bereits erledigt sein, soll heißen ich erkläre hier nicht weiter wie man Clamav und Amavis verbindet, es gibt unzählige Anleitungen. Neu ist allerdings, dass wir Amavis nicht wie üblich auf Port 10024 laufen lassen, sondern wir müssen ihm einen neuen Port zuweisen, da in den Regionen 10020 – 10030 PLESK mit den ganzen Mailhandlern arbeitet. Ich vergebe daher die Ports 6000 und 6001. Unter Debian nutzen wir dabei 2 Dateien:

50-user.conf

$forward_method = ‘smtp:[127.0.0.1]:6001′;
$notify_method = ‘smtp:[127.0.0.1]:6001′;

In der Hauptkonfigurationsdatei stellen wir ebenfalls den Port um:

20-debian-defaults.conf

$inet_socket_port = 6000;

Damit sind die ersten Schritte schon erledigt. Der forward und notify Port muss übrigens angegeben werden. Wird er das nicht gibt es folgenden Fehler:

(!) WARN: sending SMTP QUIT command failed: 000

2) Postfix main.cf

Die beiden folgenden Einstellungen in der main.cf und master.cf von Postfix müssen im Übrigen vor Veränderungen geschützt werden. PLESK hat die Angewohnheit die Dateien bei jeder Änderung um Maileinstellungsbereich sowie auch bei Updates von PLESK komplett zu überschreiben. Jegliche Versuche PLESK zu erklären, dass nicht zu machen sind gescheitert. Ein chattr hilft hier auf jeden Fall weiter, sofern man EXT3/4 hat und nicht reiserfs.

Fangen wir also mit der main.cf an. Dort muss nur ein kleiner Eintrag eingefügt werden, da das meiste in der master.cf passiert.

main.cf

content_filter = smtp-amavis:[127.0.0.1]:6000

Nachdem dieser Eintrag an das Ende der Datei gesetzt wurde, sind wir hier auch schon fertig. Als nächstes folgt nun die master.cf:

master.cf

plesk_virtual unix – n n – - pipe flags=DORhu user=popuser:popuser argv=/usr/lib/plesk-9.0/postfix-local -f ${sender} -d ${recipient} -p /var/qmail/mailnames
127.0.0.1:10025 inet n n n – - spawn user=mhandlers-user argv=/usr/lib/plesk-9.0/postfix-queue 127.0.0.1 10027 before-queue
127.0.0.1:10026 inet n – - – - smtpd -o smtpd_client_restrictions=  -o smtpd_helo_restrictions=  -o smtpd_sender_restrictions=  -o smtpd_recipient_restrictions=permit_mynetworks,reject  -o smtpd_data_restrictions=  -o receive_override_options=no_unknown_recipient_checks
127.0.0.1:10027 inet n n n – - spawn user=mhandlers-user argv=/usr/lib/plesk-9.0/postfix-queue 127.0.0.1 10026 before-remote
plesk_saslauthd unix y y y – 1 plesk_saslauthd status=5 listen=6 dbpath=/plesk/passwd.db

submission inet n – - – - smtpd -o smtpd_enforce_tls=yes -o smtpd_sasl_auth_enable=yes -o smtpd_client_restrictions=permit_sasl_authenticated,reject -o smtpd_proxy_filter=127.0.0.1:10025

smtps inet n – - – - smtpd -o smtpd_proxy_filter=127.0.0.1:10025 -o smtpd_tls_wrappermode=yes

smtp-amavis unix -      -       n       -       2       smtp -o smtp_data_done_timeout=1200 -o disable_dns_lookups=yes -o smtp_send_xforward_command=yes
127.0.0.1:6001 inet n  -       n       -       -       smtpd -o content_filter= -o local_recipient_maps= -o relay_recipient_maps= -o smtpd_restriction_classes -o smtpd_client_restrictions= -o smtpd_helo_restrictions= -o smtpd_sender_restrictions= -o smtpd_recipient_restrictions=permit_mynetworks,reject -o mynetworks=127.0.0.0/8 -o strict_rfc821_envelopes=yes

Das sind die kompletten Einträge die gesetzt werden müssen. Es werden vermutlich einige schon vorhanden sein. Ich empfehle einfach alles ab “plesk_virtual” rauszuwerfen und gleich neu einzusetzen, das erspart die Sucharbeit. Nachdem wir auch diesen Eintrag erledigt haben, sichern wir die beiden Dateien gegen Veränderung, starten Postfix neu und fertig :)

Vorher sollte aber jeder in PLESK selbst den Virenfilter auf “keinen” umgestellt haben, damit nicht doch noch Dr. Web im Hintergrund weiterläuft.

Stellungnahme des KV Nürnberg

Vor einigen Tagen trudelte nachts klammheimlich eine Stellungnahme des Vorstandes des Kreisverbandes Nürnberg (nach LV Bayern Vorstand Beschluss aberkannt) ein. Darin las ich nachfolgenden Text:

Ahoi D.,
wie du vielleicht mitbekommen hast, gibt es rund um die Gründung des KV Nürnbergs einige Bedenken des Landesvorstandes. Dieser hat in seiner Sitzung am 03.02.2010 beschlossen, die KV-Gründung nicht anzuerkennen. Die in der uns am 07.02.2010 zugegangenen Begründung genannten Bedenken des LVs sind rein formaler Natur, können von uns nicht nachvollzogen werden und haben ausdrücklich nichts mit der Region Nürnberg oder uns als gewählten Vorstand zu tun.

Einige Bedenken rund um die Gründung des KV Nürnberg? Ähm, ich darf mal kurz zusammen fassen was in meinen Augen einige Bedenken sind: Ich habe seit dem 17 Januar 2010 hier sachen erlebt, die gibt es noch nicht einmal bei der NPD. Da werden Sätze gesprochen wie: “Ich nehm mal 500€ und such mir Piraten um einen Bezirksparteitag zu erzwingen” (Nur so am Rande, der Satz wurde am 22. Januar 2010 ausgesprochen, Parteitag war am 24. Januar 2010). Auch am Parteitag selbst wurde von “symbolischen Gegenreden” gegen die Wahl des Wahlleiters der in Mittelfranken nur noch “der Antragssteller”, “Pirat G.” oder “Herr G.” genannt wird, nicht halt gemacht. Kompromissfähigkeit wie ich diese von den Piraten gewohnt war? – Weit gefehlt, Zwang, Druck und Drohungen beschrieben 1 Woche Spießrutenlauf vor dem Parteitag. Zwischenzeitlich ist Mittelfranken am Hund, die anderen Bezirke schaun uns doch schon gar nicht mehr mit dem Arsch an, alles was wir an Ruhm, Lob und Zuspruch im Wahlkampf erarbeitet haben, ist weggewischt, andere Bezirke twittern sogar wie cool doch der Landesvorstand ist und den KV Nürnberg aberkannt hat. Und all das nennt man “einige Bedenken” (auch wenn es im Zusammenhang mit der Entscheidung des LV BY steht)?

Da weder Bezirks- noch Kreis-Vorstand diesen Beschluss des Landesvorstandes akzeptieren, da dies dem auf der Gründungsversammlung ausgedrückten Mehrheitswillen zu widerlaufen würde und die AG Recht der Piratenpartei uns sowohl die Rechtsmäßigkeit der Gründung als auch die Möglichkeit, auf eine eigene Satzung für den KV zu verzichten, bestätigte, werden wir das Landesschiedsgericht anrufen.

Es ist richtig dass am 17. Januar 2010 etwas gegründet wurde. Das erkenne ich auch nicht ab, denn ich war sogar Versammlungsleiter. Es hat sich auch ein Kreisverband gegründet, allerdings wurde dieser so gegründet, dass in meinen Augen über die Satzungslosigkeit des Kreisverbandes nicht genügend aufgeklärt wurde und man sich vor allem so verhalten hat, als wäre eine Satzung vorhanden! Es ist mehr als nur schade, dass es scheinbar in unserer Partei momentan Usus ist, für alles gleich einen Rechtsanwalt, die Laien-Schiedsgerichte oder sonstige juristische Keulen raus zu holen. Ich bin darüber hinaus gespannt, wann die Abmahnerei bei uns in der Partei losgeht, denn das fehlt noch.

Mehr als interessant finde ich hier vor allem die Aussage nun doch das Landesschiedsgericht anrufen zu wollen, das man vorab noch als befangen abgestempelt hat und sich in einem Meinungsbild (Link zum Wiki) gegen selbiges aussprach.

Weiterhin bin ich strikt dagegen dass der Beschluss des Landesverbandes Bayern einfach ignoriert wird. Das gilt sowohl für den Bezirksvorstand als auch für den Kreisvorstand. Es kann nicht sein, dass Beschlüsse, gleich welcher Art diese sind, einfach übergangen und ignoriert werden, dafür haben wir Schiedsgerichte die dann umgehend sofort anzurufen sind. Dort bringt man sein Klagevorbringen vor und verlangt nach Möglichkeit auch gleich den Erlass einer einstweiligen Anordnung um die Wirkung eines Beschlusses zu hemmen. Wenn es bereits jetzt derart losgeht, dass wir mal eben Beschlüsse die jemanden nicht passen, dann sehe ich schwarze Zeiten auf uns zukommen.

Unabhängig davon werden wir weiterhin versuchen, den Landesvorstand davon zu überzeugen, dass er bei seiner Beschlussfassung von falschen Voraussetzungen ausgegangen ist und daher seinen Beschluss revidieren sollte.

Ist das ein Aufruf zur Lobbyarbeit anstatt das Thema auf sachlicher kommunikativer Ebene mit Einräumung von Kompromissen auf beiden Seiten zu behandeln?

Da aus persönlichen Gründen Lina Nodes, die Ihr zur Schatzmeisterin gewählt habt, zurückgetreten ist, übernimmt vorläufig Nico Hofmann, Beisitzer im KV-Vorstand, die Funktion des Schatzmeisters.

Wie drückte das mein liebster Ultraformalist im Landesverband Bayern doch so schön aus: INSTAFAIL :) – Denn mit diesem Satz verstößt man nun gegen jegliche Regeln der Kunst. Ich drösel das mal auf:

1) Variante keine Satzung

Der letzte Stand den ich wahrgenommen habe war, dass der KV Nürnberg dafür einstand, dass mindestens die Satzung der Piratenpartei gelten würde, da es immerhin ein Kreisverband der Piratenpartei ist. Damit lesen wir nun im großen Buch der Satzungen, dass ein Vorstand nach den Regeln der BzV Satzung (das ist die nächste übergeordnete Satzung) mindestens 5 Piraten im Vorstand haben muss und weiterhin 2 Beisitzer, die dann im Rahmen der sog. Kooption ein ausscheidendes Vorstandsmitglied ersetzen. In dem Fall des KV Nürnberg haben wir 5 Vorständler, keine weiteren, damit ist die Kooption flach gefallen, denn sie können keinen ersetzen.

2) Variante Gründungsversammlungsbeschluss

Die Gründungsversammlung hat beschlossen, dass der Vorstand aus 5 Piraten bestehen soll. Weitere Kooptionsregelungen wurden nicht getroffen, einer ist gegangen, damit haben wir nur noch 4 – Willen der Gründungsversammlung nicht eingehalten

Fazit:

Es muss Vorstandswahlen geben und der KV Nürnberg ist in meinen Augen jetzt handlungsunfähig. Dabei ist für mich erst einmal irrelevant ob dieser nun anerkannt war oder nicht.

Wenn die Situation des KV geklärt ist – durch allseits akzeptierten Spruch des Landes- oder Bundes-Schiedsgerichts oder durch Rücknahme des LV-Beschlusses – werden wir Vorstands-Neuwahlen ansetzen, da wir der Meinung sind, dass die auf uns wartenden politischen Aufgaben für 4 Personen im Vorstand zu viel sind und wir euch die Gelegenheit geben wollen, uns erneut euer Vertrauen – oder auch nicht – auszusprechen.

Diesen Absatz muss man genau lesen, denn da steckt so einiges an Informationen drin. Zum ersten warten wir nun einen “allseits akzeptierten Spruch eines Gerichts” ab. Aus meiner Sicht wäre das der erste Schiedsspruch bei den Piraten der allseits anerkannt wird, aber ich bin durchaus lernfähig. Zudem bedeutet dieser Satz für mich ein Mega-Zeitfenster, denn bis auch das letzte Schiedsgericht endlich einen Richterspruch (übrigens am Bundesschiedsgericht hat man noch nicht mal Fachliteratur wie Ipsen oder Rixen als Kommentar zu liegen, man male sich daher schon mal die Qualität des Urteils aus) spricht, wird viel Zeit ins Land und Wasser die Pegnitz hinab gehen. Der Landesverband Bayern wird seinen Beschluss nicht zurück nehmen, ergo heisst es warten. Was passiert denn während der Zeit an politischer Arbeit? Wird man von den Piraten in Nürnberg auch ohne Faschingsumzug noch etwas lesen? Also weiter im Text: Nachdem wir dann einen endgültigen Richterspruch haben, sollen Vorstandswahlen angesetzt werden (auch hier haben wir wieder Einladungsfristen – obwohl moment… welche Fristen? Ist ja nichts geregelt…) und dann den Nürnberger Piraten die Gelegenheit gegeben, das Vertrauen dem alten Vorstand für die neue Amtszeit nochmal zu geben oder nicht.

Das “oder auch nicht” zeigt mir bereits, dass man sich scheinbar seiner Sache doch nicht mehr so sicher ist? Kann ich mir gut vorstellen, dass dem ein oder anderen Zweifel gekommen sein mögen, denn ich wäre mir in der jetztigen Situation nicht mehr sicher ob ich noch das Vertrauen der Nürnberger hätte. Es würde mich aber brennend interessieren, mal ein Meinungsbild einzuholen und genau danach zu fragen:

- Wer ist der Meinung dass die Entscheidung mit all den verbundenen Konsequenzen richtig war?

- Wie will er das Blut das die Strasse hinabfloß wieder auffangen und alle aus der Lethargie holen?

Weiterhin fehlen mir in der Stellungnahme die immerhin seit 6 Wochen heiss angekündigt wird und in meinen Augen keine Stellungnahme ist, sondern lediglich eine Zusammenfassung der nächsten Schritte, die Beantwortung der eklatanten Fragen:

- Welche Entscheidungskraft haben die an der Gründungsversammlung beschlossenen Mitgliederversammlungen?

- Wie wird zu diesen Versammlungen eingeladen? Per Facebook, Twitter oder Rauchzeichen?

- Wie stelle ich einen Antrag an den Vorstand?

- Wo finde ich die Protokolle der Vorstandssitzungen (es gab immerhin schon 2)?

- Was plant der KV Nürnberg an politischen Aktionen um in Nürnberg am “Ball” zu bleiben?

- Was will er für die Transparenz tun die er im moment gegenteilig lebt?

Ich könnte diese Liste meterlang fortführen, Fragen über Fragen und keine Antworten. Ich hoffe insgeheim, dass die nächsten Vorstandswahlen oder der nächste Parteitag schnell kommt und endlich die allen Nürnbergern zustehenden Antworten lückenlos liefert!

Deutschland hielt den Atem an. Heute um 10.00 Uhr war die Verkündung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe zu der umstrittenen Vorratsdatenspeicherung. Die Vorgaben selbst kommen dabei von der EU, die eine Speicherung zu Strafverfolgungszwecken erlassen hat, wie diese umgesetzt wird obliegt aber wieder den Ländern selbst. Deutschland hat hier durch die Regelungen in den §§113a,b TKG allerdings zu viel zur Speicherung veranlasst.

Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Urteilsverkündigung festgestellt, dass

1. Die Gesetze in der derzeitigen Form verfassungswidrig und damit nichtig sind

2. Die bisher gespeicherten Daten sämtlich zu löschen sind

Damit ist die Vorratsdatenspeicherung gekippt, die Daten müssen gelöscht werden und die Aktivisten die jahrelang gegen dieses Vorhaben gekämpft haben, ernten einen dicken Sieg am Punktekonto. Auch ich habe mich an der Verfassungsbeschwerde als einer von über 34000 Beschwerdeführern beteiligt. Besonderer Dank gilt aber vor allem dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung die bis zur Selbstaufgabe tag täglich mit Infoständen und vielen Aktionen gegen dieses Vorhaben gekämpft haben.

Dennoch, um die Euphorie ein wenig zu bremsen, wird eine Form der Speicherung von Verbindungsdaten auf uns zukommen. Das Bundesverfassungsgericht hat zwar die bereits verabschiedeten Gesetze, mit dem stärksten Mittel, nämlich der Nichtigkeitserklärung, gekippt, einer generellen Nichtigkeit der Richtlinie die aus Brüssel stammt, folgt das Gericht nicht. So muss jetzt unter den strengen Vorgaben, die das Gericht gegeben hat, eine neue Version der Vorratsdatenspeicherung aufgelegt werden, die dann aber ausschließlich im Rahmen der Strafverfolgung zu nutzen ist. Das bedeutet, dass bei Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens wegen eines schweren Verbrechens durchaus die Speicherung stattfinden kann und aus meiner Sicht auch soll, eine verdachtsunabhängige Speicherung ist und bleibt aber unzulässig.

Zur Speicherung von Verbindungsdaten bei Verbrechen habe ich persönlich nichts, aber auch da, und diese Vorgaben machte auch das Bundesverfassungsgericht, haben Regularien zu gelten, die einen besonderen Umgang mit diesen Daten beschreiben. Auch wenn die Vorratsdatenspeicherung nun erst einmal vom Tisch ist, so werden wir Piraten und auch der AK Vorrat dennoch weiterhin die Sache im Blick haben, damit nun nicht unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung nicht doch wieder eine ähnliche Art der gekippten Vorratsdatenspeicherung eingeführt werden wird.

Kommunikation in der Piratenpartei

Wer am Ende des Beitrages angelangt ist und sich diesen ersten Satz noch einmal durchliest, wird mir beipflichten, dass dieser Beitrag über die Kommunikation innerhalb der Piratenpartei eher kritischer Natur ist, als dass er lobend geschrieben wurde. Hintergrund ist nicht ein Versuch der Bewältigung von Unstimmigkeiten, die ich durch jüngste Entwicklungen mit meiner Partei habe, sondern vielmehr der klare Fingerzeig auf Umstände die mir als Pirat aufgefallen.

Bevor ich mich nun in die Kritik stürze, will ich mir die Zeit nehmen, die verschiedenen Kommunikationskanäle der Piraten einmal zusammen zu fassen. Es sei angemerkt, wer aktiver Pirat ist, weiss wie schwierig das ist.


Existierende Kommunikationskanäle

1) Mailinglisten

Mailinglisten sind der heilige Gral der Piraten. Es gibt viel zu viele davon. Jede AG, jede Gemeinschaft zur Veröffentlichung eines offenen Briefes und selbst jedes Orgateam eröffnet als erste “Amtshandlung” eine Mailingliste. Würde man alle Mailinglisten der Piraten abonnieren wollen, würde man sich einer Flut von geschätzten 200 000 Mails am Tag aussetzen, die man dann aber auch alle entsprechend zu lesen hat, denn es ist immerhin das Hauptkommunikationsmittel der Piraten auf dem alles – und ich meine wirklich alles – besprochen wird.
Doch woher kommt dieser Mailinglistenfetisch, denn anders kann ich es nicht bezeichnen, wenn man sich an ein Kommunikationsmedium derart heftet? Nun ich bin der Meinung, dass der Hang zu den Mailinglisten vor allem in unserer Herkunft der Mitglieder begründet ist. Sehr viele Piraten, auch ich nehme mich davon nicht aus, haben ihren Ursprung in der IT Welt. Gerade im unixoiden Umfeld sind Mailinglisten, bzw. die monochrome textbasierte Variante der Kommunikation vorzufinden. Dies kann ich allein damit erklären, dass ich selbst als Systemadministrator auf unzähligen Linux- und Sicherheitsmailinglisten angemeldet bin. Ein Forum mit Oberfläche kommt in diesem Bereich einfach nicht zu tragen, da die Hardcore Admins mit ihrem geliebten Mutt bzw. irssi für IRC Chats eben noch im textbasierten Umfeld hängen, dort auch gar nicht wegwollen und damit andere ebenfalls dazu anhalten ihre Kommunikation auf gerade solche Kommunikationsmedien zu verlagern. Zugegeben es gibt Ausnahmen, auch wenn diese selten sind.

Ich bin mir aber – und vermutlich formieren sich schon einige die nun zum Gegenschlag gegen einen Mailinglistenächter ausholen – sicher, dass Mailinglisten eben genau nicht als Kommunikationsmittel, welches wir als Partei für politische Arbeit benötigen geeignet sind, sondern vielmehr als flüchtiges organisierendes und verteilendes informatives Medium genutzt werden sollen. Konkret meine ich damit, dass Mailinglisten lediglich zur Planung von Aktionen, ob nun auch z.B. das WLAN wirklich funktioniert, bzw. zur Ankündigung eines Nicht-Flashmobs in Unterhosen an Flughäfen genutzt werden sollen, Themenkomplexe wie Bedingungsloses Grundeinkommen oder sozialere Marktwirtschaft haben aber allein schon aufgrund ihrer Tragweite den Anspruch auf Diskussion mittels eines geeigneteren Mediums.

Ein weiterer Minuspunkt der den Mailinglisten vorgemerkt ist, ist die Art der Diskussion. Aufgrund der Distanz eines Absenders und Schimpfboldes auf einer Mailingliste zu dem Empfängerkreis mit Publikum aber auch dem direkten Empfänger in einer heissen Wutdiskussion, erlaubt es diesem einen Diskussionsstil zu führen, der in einem normalen Gespräch von Bierglas zu Bierglas nicht möglich wäre. Ich habe des öfteren persönliche Attacken als auch Beschimpfungen der niedersten Kategorie auf solchen Listen wahrnehmen müssen. Dadurch dass Mailinglisten nicht moderiert werden, zumindest habe ich bisher noch keine Moderation wahrgenommen, haben Diffamierungen und ähnlich gelagertes hier eine Bühne die von einigen Unholden gerne genutzt werden. Ich spreche mich nun aber nicht für die Zensur bzw. Moderation auf Mailinglisten aus, gebe aber zu bedenken, dass diese Listen a) für jedermann lesbar sind, b) eine Mitstörerhaftung auch für die Partei entstehen kann und c) wir damit den Beweis der mangelnden Diskussionskultur liefern, auch wenn dieser durch einzelne, die mit derartigen wüsten Emails auf sich aufmerksam machen, den eigentlichen Beweis für die ganze Partei liefern.

2) Newsserver

Seit kurzem wird in einem Projekt namens “Syncom” (ich komme später noch drauf zu sprechen) ebenfalls zu den Mailinglisten ein Newsserver angeboten. Letztlich ist dies nichts anderes als das einigen sicherlich noch bekannte Usenet und dabei spreche ich nun nicht von UseNext Zugängen, um Binärdateien zu beziehen. Ansonsten spiegelt der Newsserver selbiges wie die Mailinglisten wieder, nur dass er über einen anderen Client bedient wird, sowie auch besondere Regelungen in der Vorhaltezeit von Nachrichten hat, ohne auf die technischen Details weiter eingehen zu wollen. Es verhält sich also in diesem Punkt wie bei den Mailinglisten.

3) Forum

Jeder der sich jetzt schon freut, dass ich auf den kürzlich geschehenen Forumtransfer eingehe, wird zum jetzigen Zeitpunkt bitter enttäuscht werden, da ich dazu derzeit mich öffentlich bis zur vollständigen Klärung aller Umstände nicht äussern werde. Es kann mich bei Rückfragen zur Sache selbst jeder gerne direkt kontaktieren.

Das Forum der Piraten wird unabhängig von den Mailinglisten betrieben. Damit haben wir somit eine Trennung zwischen den Diskutanten auf Mailinglisten und Forum. Dieser Graben wird auch von den jeweiligen Seiten aufrecht erhalten, da die Anhänger des heiligen Grals von diesem nicht weichen, die Forenjünger ebenfalls von ihrem Maulwurfshügel nicht abrücken. Ich kann damit mit Recht behaupten, dass wir Themen durch die Unabhängigkeit beider Kommunikationsmedien doppelt diskutieren, die Ergebnisse aber nicht gegeneinander abgleichen sondern im schlimmsten Fall zweierlei Meinungen entstehen, die sicherlich diskutiert wurden, allerdings ohne die Argumente des anderen Lagers mit einzubeziehen.
Die Vorteile eines Forums liegen dabei klar auf der Hand: Während man für eine Mailingliste eine Emailadresse mit unbegrenztem Postfach (ich erinnere an die 200 000 Mails / Tag) benötigt, sowie eine intensive Beziehung zu allen Funktionen seines Mailprogramms, ist ein Forum frei von diesem Hürden und bietet daher die Einfachheit der Diskussion an. Anmelden, einloggen und Beiträge schreiben. Auch die Lesbarkeit an sich ist ein wichtiger Punkt, bei Mailinglisten darf man noch jede Email einzeln lesen und muss sich vorangegangene Emails auch merken um der Diskussion folgen zu können, die dann durch falsches oder zerrissenes Zitieren ad absurdum geführt wird, im Gegensatz zu einem Forum bei dem ich mir die Beiträge en bloc zusammenhängend durchlesen kann.
Allerdings haben auch Foren ihre Kehrseite: Die Trolle wüten auch hier gleichermaßen wie in den Mailinglisten. Der einzige Vorteil ist dabei dass man Benutzer deren Hauptaufgabe das Sammeln von <°(((>< (Heringen) ist, durch Deaktivierung ihrer Accounts etwas abkühlen kann, auch wenn die Kühlphase nur bis zur nächsten Sockenpuppe reicht.
Ein weiterer Punkt der nicht ausser Acht gelassen werden sollte ist die Archivfunktion eines Forums, denn ein Forum ist von seiner Grundstruktur darauf ausgelegt, dass alle Beiträge erhalten bleiben, diese indexierbar und nachlesbar sind. Für so manchen Diskutanten kann dies schnell ungemütlich werden, wenn alte Beiträge herausgefischt und vorgehalten werden.

4) Syncom

Das Projekt Syncom, welches ich gerne einmal bildlich beschreiben würde, obgleich ich Sprache und Abwasserkanalisation ungern in einen Satz presse:

Bezeichnet man die Mailinglisten, Newsserver und das Forum jeweils als Abwassersyphon für Diskussionen, so ist Syncom die Vereinigung selbiger ohne Kläranlagenfunktion obwohl diese dem System angedacht war und ist.

Um diese Aussage von mir nun verstehen zu können, liefere ich ein paar Hintergrundinformationen zum Projekt Syncom. Die Idee des Projekts halte ich nicht für grundsätzlich verkehrt, allerdings bin ich der Auffassung dass die Projektidee nicht gegen die Mentalität der Piraten innerhalb der Partei gelinkt wurde. Das Syncom Projekt hat als erstes den Ansatz, dass alle drei Medien – Newsserver, Mailinglisten und Forum – miteinander verbunden werden, um eine einheitliche und gemeinschaftliche Diskussion zu zulassen. Gerade für Diskutanten die nicht mit dem Emailprogramm Tag und Nacht arbeiten und sich eine penible Organisationsstruktur zur Verwaltung der ganzen Mailinglisten angeeignet haben, damit eher das Forum nutzen, mag dies ein großer Schritt zur Vereinfachung an der Teilnahme von Diskussionen sein. Zusätzlich werden wir allen Lagern, sowohl den Mailinglistenanhängern, Forenjüngern und Usenetgroßeltern gerecht und bieten eine gemeinsame Basis um zu diskutieren.
Bis hier hin folge ich gerne der Idee, doch nun wird es schwierig. Ein Problem der Piraten ist, dass auf Mailinglisten und anderen Kommunikationsmedien viel diskutiert wird, die Ergebnisse und auch die Essenz aus den Diskussionen dann aber auf den Mailinglisten gerne versiegen. Ich erkläre dies gerne bildlich damit, dass ein Entwickler alle Energie in die Entwicklung einer Anwendung steckt, für die Dokumentation meist aber nur eine schmucklose Textdatei mit technisch-kyrillischen Anweisungen herhalten muss. Die Piraten halten dies ähnlich, diskutiert wird viel, Ergebnisse im Wiki sind dann eher dünn besiedelt.

5) Wiki

Das Wiki, eigentlich ebenfalls mit einem Satz beschreibbar:

Eine von Vogonisten gefüllte Datencloake ohne Struktur und Übersicht.

Auch hier liefere ich gerne die Erklärung dazu. Als erstes sind die Vogonisten hier nicht mit den Vogonen aus dem Film “Per Anhalter durch die Galaxis” zu vergleichen, sondern dies ist eine Wortschöpfung eines rhetorisch begabten Piraten. Er hat den Begriff Vogonismus erschaffen um damit auszudrücken, was im Wiki Alltag geworden ist: Informationen werden durch Überfülle und mangelnde Organisation, obgleich diese öffentlich und für jeden auffindbar eingepflegt, dennoch versteckt sind. Wer einmal im Wiki eine Information, die er dringend benötigt, gesucht hat, wird mir bestätigen können, dass er mindestens einmal daran gescheitert ist. Dabei ist gerade das Wiki ein sehr wichtiges Element unserer Partei, da es das zentral-kollektive Gehirn der Piraten darstellt. Alles Wissen und jegliche Informationen sind im Wiki zu finden – ausser sie wurden auf einer Mailingliste diskutiert und niemand hat es eingetragen. Aber auch das zeigt, wie wichtig das Wiki ist. Und gerade weil es so wichtig ist, darf eine Strukturierung sowie auch Aufbereitung der Daten im Wiki unter keinen Umständen fehlen. Die notwendigen Erweiterungen auf technischer Ebene sind vorhanden, doch kann diese noch lange nicht jeder bedienen. Damit wir aber Informationen nicht im Rohformat aufnehmen müssen ist es unabdingbar mit Übersichten, grafischen Elementen und Ansichten zu arbeiten die eine leichte Auffassung der Informationen ermöglichen.

Ein gutes Beispiel ist die von Markus aka Anthem entwickelte Antragsfabrik. Damit wird es erstmalig möglich die Satzungs- und Programmänderungsanträge übersichtlich aufbereitet aufzunehmen, zu durchdenken und dann entsprechend eine Meinung durch Zustimmung, Enthaltung oder Ablehnung zu geben. Und genau solche Ansichten wünsche ich mir an weiteren Stellen im Wiki.

6) Twitter

Ja auch ich nutze unter @NetAndroid_BY einen Twitteraccount – und das sogar aktiv. Dennoch halte ich Twitter lediglich als Ankündigungsmedium für geeignet. Mehr nicht. Im Endeffekt ist Twitter auch nichts anderes als SMS, nur mit 140 statt 160 Zeichen. Zudem sehe ich in Twitter auch die Gefahr, dass die Kommunikation miteinander in Mitleidenschaft gezogen wird, denn seit SMS und Twitter erlebe ich es immer wieder dass es einigen in direkten Gesprächen doch merklich schwer fällt einen Satz mit mehr als zwei Kommas und einer Apposition zu bilden, geschweige den meinen geliebten Schachtelsätzen zu folgen.

Die Piraten nutzen Twitter sehr stark, seitdem ich bei den Piraten bin, weiss ich selbst erst wie man den Dienst richtig nutzt. Alle heißen Infos laufen darüber und lösen oft hitzige 140 Zeichen Wortgefechte aus. Da das Medium selbst zur Diskussion gänzlich ungeeignet ist, wie schon viele aktive User gemerkt haben, kommt der Dienst hier ganz gut davon, da ich es als Ankündigungsmedium durchaus schätze – mehr aber auch nicht.

7) IRC / Jabber

Ich selbst nutze kein IRC, von daher kann ich dazu wenig sagen. Allerdings nutze ich aktiv Jabber, da es für mich freundlicher daherkommt, als die IRC Dienste. Auch hier haben wir letztlich nichts anderes als textbasierende Diskussionen, die fern jeder emotionalen und gestikativen Ebene sind. Auch hier haben wir die üblichen Netzgestalten die auf Fischfang ihre Angeln ausgeworfen haben. Ich reihe daher diesen Punkt neben die Mailinglisten mit ein, ausser dass es in IRC Kanälen sogenannte OPs (Operatoren) gibt, die bei massiven Übertretungen eine Form der Moderation anwenden um wieder Ruhe in die Menge zu bekommen. Es gibt aber auch unmoderierte Kanäle auf denen dann der Troll toben darf.

8) Telefonkonferenzen / Mumblesitzungen

Nachdem wir uns nun ausführlich den textbasierten Kommunikationsmedien gewidmet haben, folgen nun die Medien die mit gesprochener Sprache genutzt werden: Telefon- oder Mumblekonferenzen. Auch hier haben wir als Unterschied zwischen beiden Arten der Konferenzen eine rein technische Unterscheidung, die man ganz einfach auf fernmündliche Konferenzen herunter brechen kann. Hier ist der gemeine Pirat nun gefordert durch Wortwahl und gesprochene Sprache aufzutreten. In einer Telefonkonferenz kann man eben nicht mehr wie auf einer Mailingliste entsprechend niederem Schreibstil für Aufruhr sorgen, sondern bekommt bei Nichtgefallen seines Gegenübers direkt Paroli. Trolle wird man in solchen Sitzungen kaum bis gar nicht finden. Solche Konferenzen halte ich für das erste taugliche Medium um auch Politik “machen” zu können.
Nur durch die lebendige Diskussion, durch Schlagabtausch und Argumentationsführung entsteht hinterher ein Ergebnis das sich sehen lassen kann und es ist auf jeden Fall effektiver als textbasierte Medien.Natürlich sind, diese Erfahrung habe ich selbst gemacht, Konferenzen dieser Art viel anstrengender. In der Diskussion muss ich a) Argumente vorbringen, b) diese auch begründen können und c) Argumente eines Gegners aufs Korn nehmen können um ihn von meiner Meinung überzeugen zu können, nachdem ich ihm gezeigt habe, dass seine Argumente wertlos sind. Ich betrachte solche Konferenzen ein wenig wie Kampfsport ohne Gewalt anzuwenden. Vor allem bringen diese Konferenzen den Piraten mehr als Mailinglisten oder ähnliches, denn der politische Gegner wird nicht erst eine Mailingliste eröffnen, wenn er uns im politischen Alltag an die Wäsche will.

9) Stammtische / Reale Treffen

Stammtische, Versammlungen, Treffen vor Ort sind die einzige und zugleich beste Art und Weise Politik zu machen. Wir Piraten müssen lernen dass gerade Politik durch gesprochene Sprache in Debatten vor Ort stattfindet und nicht über Mailinglisten ausgefochten wird. Man stelle sich nur einmal einen Plenarsaal vor, in dem zwar Abgeordnete sitzen, die Debatten aber über die beliebten technischen Tools durchgefochten werden und keiner eine lebhafte Rede vorn am Pult hält. Ist das Politik? Nein! Wir müssen noch viel mehr Versammlungen, Treffen und Vor-Ort Gespräche abhalten als bisher, auch wenn es den Kellerkindern, von denen ich mich nicht ausnehme, schwerfällt unter dem Geschrei der Vögel, der Frischluft und gleisenden Sonnenlicht durch die Straßen zum Treffpunkt zu huschen. Als Einschub dazu, es ist bezeichnend dass die Geschäftsstelle der Piraten in Mittelfranken im “Keller” liegt.

da war aber noch…

Ja ich bin mir sicher, dass ich noch einiges vergessen habe, die Liste oben hat auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern zeigt vielmehr, dass die Liste doch schon viel zu lang ist. Wer soll diese ganze Informationsflut beherrschen, geschweige denn lesen? Das schafft nur jemand, der sich 24 Stunden mit den Piratenkanälen beschäftigt und so jemanden wird es, das behaupte ich nun einmal frech, nicht geben.

Und die Lösung?

Wie ich bereits beim Syncom Projekt habe durchblicken lassen, hat der derzeitige Vorstand Bestrebungen das Projekt auch gänzlich umzusetzen. Nach Aufassung einiger Satzungsanhänger, die die Regeln zu 100% klar auslegen, darf der Vorstand uns Piraten auch das Kommunikationsmedium vorgeben, das heisst aber noch lange nicht, dass wir uns das auch gefallen lassen. Das Vorhaben mit Syncom und der Begrenzung der Vorhaltezeit von Diskussionen als Druckmittel zu nutzen um mehr Ergebnisse ins Wiki einfliessen zu lassen, klingt erst einmal vernünftig, da der Vorstand dazu gewählt wurde, die Parteistruktur so zu gestalten, dass diese effektiv für die ganze Partei ist. Solange aber nicht es als Selbstverständnis eines jeden Piraten geworden ist, zur Erhaltung und weiteren Nutzung seiner gewonnen Informationen, diese auch ins Wiki zu stellen, wird der Zwang nicht förderlich sein sondern wird sicherlich einige Lager hervorbringen, die sich dagegen aufbäumen – und das aus meiner Sicht auch zurecht. Eine Vernichtung von Diskussionen durch automatische Löschung halte ich grundsätzlich für falsch, sondern der Vorstand sollte das Bewusstsein der Piraten vor allem darin stärken, dass er ihnen klar macht, dass es unabdingbar ist, dass über gewonnene Erkenntnisse das Ganze im Wiki, für andere auch nutzbar, eingetragen wird. Als Piraten haben wir nämlich im Wahlkampf uns für verteiltes Wissen, das jedem zugänglich ist, eingesetzt. Eine beendete Diskussion die nicht im Wiki landet ist kein geteiltes Wissen in dem Sinne, sondern lediglich Wissen innerhalb einer Gruppe der Diskutanten auf der Mailingliste bzw. dem Medium auf dem es diskutiert wurde. Damit es letztlich Wissen wird, dass uns Allen zur Verfügung steht muss es ins Wiki eingetragen werden, damit wir darin eine Datenbasis an Informationen aufbauen können. Nur dann können wir im nächsten Schritt uns einen Überblick aller Daten und im Folgeschritt Wissen aneignen. Hierzu verwende ich gerne zur Veranschaulichung eine Wissenspyramide.

Wissenspyramide

Genau genommen fehlt dieser Pyramide aber noch eine Schicht, in der befinden wir uns nämlich gerade: Unterhalb der Daten, denn wir wissen noch nicht einmal was wir alles an “Daten” haben. Oder findet sich hier in den Reihen jemand der die Frage nach den Daten beantworten kann? So trete er hervor.

Ich habe mir, da man das sicherlich von mir auch erwartet, wenn ich schon einen solchen Beitrag verfasse, Gedanken gemacht wie man die Kommunikation innerhalb der Piraten verbessern kann.

1) Pirat

Als erstes steht ein jeder Pirat auf der Liste. Solange wir uns nicht klar werden, dass unsere Kommunikation, so wie sie derzeit läuft eher den Niragara Wasserfällen gleicht, die wir nicht unter Kontrolle haben, ist an Kommunikationsstrukturierung noch gar nicht zu denken. Daher sollten wir im Vorfeld uns zusammen setzen und die derzeitige Problematik erkennen, denn nur wenn wir die Fehler erkannt haben, können wir diese auch beheben. Wir werden sicherlich nicht alle 12000 Piraten die es derzeit sind, an einen Tisch bekommen um darüber zu diskutieren, aber eine größere Gruppe die sich dazu ernsthaft Gedanken macht und auch das Selbstverständnis eines jeden Piraten schärft muss es doch sein.

2) Mailinglisten

Den Mailinglisten würde ich als erstes jeglichen Anspruch auf Diskussionsmedium entziehen und diese zu einem reinen Ankündigungsmedium verstümmeln. Über diese Listen laufen nur Ankündigungen und kleinere organisatorische Absprachen um eine Aktion oder Vorhaben zu planen.

3) Forum

Das ist das einzige Medium dem ich eine Diskussionserlaubnis zubilligen würde und das obwohl ich auch der heiligen Kuh “Mailingliste” verfallen bin. In einem Forum kann ich aufgrund der besseren Darstellung viel einfacher diskutieren als auf Mailinglisten. Wir ermöglichen zudem auch nicht so begabten Internetnutzern die Möglichkeit der Teilnahme an der Dikussion ohne sie auszuschließen.

3.1) Syncom

Zugegeben durch das Projekt Syncom kann man nun die Sucht einiger nach Diskussion über eine Mailingliste, dadurch dass alles auch über ein Forum abrufbar ist, stillen, da alles miteinander verbunden ist. Ich räume das insoweit ein. Allerdings sehe ich darin eine andere Gefahr. Zum einen werden nicht alle Mailinglisten angeschlossen sein, da dies die Entscheidung einer jeden Mailingliste selbst ist, zum zweiten halte ich es für bedenklich wenn auf einer Kreismailingliste die im Syncom angeschlossen und im tiefen Bayern sitzt, plötzlich jemand aus Mecklenburg-Vorpommern meint gute Ratschläge für bürgernahe Politik geben zu müssen. Ohne auf die Lokalitäten (diese dienen hier nur als Füllworte) einzugehen, sehe ich das Problem darin, dass jemand aus der anderen Ecke Deutschlands doch gar nicht beurteilen kann, wie es in einem fernen Ort mit bürgernaher Politik (um beim Beispiel zu bleiben) aussieht. Auch sehe ich ein Problem darin, dass dadurch dass auf den Mailinglisten ein rauer und ungehobelter Ton einzelner herrscht, dies schnell zu Rangeleien quer Partei führen kann, denn es ist durch die Forenoberfläche für jeden einsehbar. Auch sehe ich mit einem Klick was aktuell diskutiert wird, wo ein Thema mal wieder mit hohen Wellen schlägt. Trolle können direkt mit einsteigen und die Phosphorfakeln in die Pulverfässer drücken. Ohne moderativen Eingriff wird dies zum Pulverfass für die ganze Partei; eine hochexplosive Diskussionsmischung.

4) Telkos / Mumble / RL Treffen mit Hausaufgaben

DAS ist das Kommunikationsmedium auf das wir uns fokusieren sollten, dabei besonders wichtig sind die Hausaufgaben. Wenn ich mir die verschiedenen Arbeitsgruppen ansehe, dann finden dort viele Diskussionen statt, welche auch den ganzen Tag laufen, allerdings sind die Ergebnisse nicht so effizient entstanden wie man es gestalten könnte. Meine Vorstellung von effizientem Arbeiten ist, dass man ein Treffen, egal ob Telko oder real vor Ort, abhält, sich eines Themas annimmt, die Diskussion führt und nach Ende des Treffens auch eine Hausaufgabe mit nimmt, die man bis zum nächsten Treffen auch zu erfüllen hat. Der Vorteil liegt auf der Hand, man hangelt sich nicht von Treffen zu Treffen, sondern muss sich auch ausserhalb der Veranstaltungen mit dem Thema beschäftigen, 5 Minuten vorher schnell drei Gedanken dazu reichen eben nicht um voran zu kommen! Die Frequenz solcher Versammlungen sehe ich nun nicht täglich, sondern es können ruhig eine oder zwei Wochen dazwischen liegen, denn wie geschrieben durch die Hausaufgabe muss man sich auch zwischen den Treffen damit beschäftigen. Allein damit wird es gar nicht möglich sein, dass man in zig Arbeitsgruppen mitarbeitet, da das Arbeitspensum derart imens wäre, dass man es gar nicht mehr schaffen kann. Qualität statt Quantität ist hier das Credo für effektives Arbeiten.

5) Ergebnisse ins Wiki

Jeder Schritt der erarbeitet wurde, muss ins Wiki einfliessen und dort a) dokumentiert und b) veröffentlicht werden. Nicht der Transparenz Willen, sondern dem Willen des verteilten Wissens, des zugänglichen Wissens. Es kann nicht sein, dass wir hier Informationen anderen vorenthalten, nur damit eine Arbeitsgruppe hier einen Tusch arrangieren kann, weil genau sie die Lösung im Hinterzimmer in 4 Monaten ausgebrütet hat, hätten andere davon Kenntnis erlangen können, hätte es nur zwei Monate gedauert. Ich bin mir sicher, dass wir viele kluge Köpfe in unserer Partei haben, doch wie werden diese aktiviert? Durch eine Arbeitsgruppe beginnt die Aktivierung aber gerade durch abrufbare Ergebnisse ermöglichen wir noch uns unbekannten Hellgeistern mit einzusteigen und uns auf vielleicht totalen Unsinn hinzuweisen.

Abschluss

Der Blogbeitrag ist nun etwas ausgeartet und wurde länger als ich es erwartet habe. Dabei hat der Beitrag selbst noch gar nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt sicherlich noch einige Punkte die disktuiert werden müssen und von Lesern auch anders betrachtet werden. Wer es bis hier hin geschafft hat, dem danke ich für die Aufmerksamkeit und schliesse mit den Worten

Mein Name ist Dominique und ich bin PIRAT

Jabber Server abgeraucht

Gestern ist der Jabber Server der Piratenpartei abgeraucht. Die BundesIT, die keine AG ist, hat dazu eine Stellungnahme u.a. im Bundesforum verfasst. Parallel wird ein neuer Jabber Server aufgesetzt der dann auch auf der Infrastruktur der BundesIT laufen soll, da der alte Jabber Server unter anderem noch bei Hetzner betrieben wird.

Wermutstropfen an der ganzen Geschichte: Scheinbar war der Ausfall derart gravierend, dass Benutzeraccounts und auch Chatrooms verloren gegangen sind, die betroffenen User sollen sich per Kontaktemail mit der IT in Verbindung setzen. Ein aktuelles Backup hätte dies vermeiden können.